Erst neulich ging wieder durch die Presse, daß Feuerwehrleute in Europa den vertrauenswürdigsten Berufsstand haben:
In allen 14 untersuchten Ländern landeten die Feuerwehrleute an der Spitze. Mit einem Vertrauenswert von 97% liegen die deutschen Feuerwehrleute sogar knapp über dem europäischen Durchschnitt von 95%.
Wie es aber mit dem Ruf der freiwilligen Feuerwehrleute aussieht habe ich vor etwa zwei Wochen abends auf einer kleinen Party mal wieder erfahren dürfen. Beim Grill-Anzünden ist rausgekommen, daß ich Feuerwehrmann bin und kurz darauf kamen dann natürlich wieder die Klischees hervor: Freiwillige Feuerwehrleute sind eigentlich nicht mehr als nicht ganz so anonyme Alkoholiker, die manchmal Abends ein bisschen Schläuche ausrollen und sich danach die Hucke vollsaufen. Ich finde das mehr als traurig. Es mag stimmen, daß das für ein paar kleine Dorf-Feuerwehren wahr ist, die dank der Berufsfeuerwehr in der Stadt halt nicht mehr Einsätze bekommen, als zwei mal im Jahr die Hauptwache zu besetzen, weil die ausgerückt ist und noch ein mal den Bürgermeister zum Dorffest eskortieren darf. Es stimmt aber definitiv nicht in Städten wie zum Beispiel Speyer oder Frankenthal, wo auf freiwilliger Basis mehr als 50.000 Einwohner vor größeren Unglücken bewahrt werden müssen - da ist jeden Tag, teilweise noch öfter, was los. Speyer kommt pro Jahr auf rund 500 Einsätze. Frankenthal hat ähnliche Zahlen zu bieten.
Außerdem sprechen die Bilder auf den Webseiten der beiden Feuerwehren auch Bände. Ich weiß nicht mehr, wie viele Einsätze ich gefahren bin. Es waren viele blinde Alarme dabei - keine Frage, aber ich habe irgendwann aufgehört zu zählen, in wie viele brennende Häuser ich reingelaufen bin, aus denen andere schnell raus wollten. Wie viele mit Wasser vollgelaufene Keller und Wohnungen ich mit meinen Kameraden ausgepumpt habe - für Leute, die ich vorher noch nie gesehen hatte, und die dann manchmal noch nicht mal ein “Danke” übrig hatten. Ich habe während meiner Laufbahn zwei vom Himmel gefallene Flugzeuge miterlebt, war beim Löschen von riesigen Flächen brennender Wälder beteiligt, habe Kilometer Straßen gekehrt, weil irgendein LKW Öl verloren hat - meistens zu Zeiten, während normale Menschen schlafen oder sich nicht auf die Straße trauen, weil die Temperatur weit unter Null liegen. Macht aber nichts, denn beim Kehren wird einem ja warm. Ich habe schon Brocken von Motorrädern zusammengekehrt, während nebendran die Kollegen vom Roten Kreuz versucht haben, die Brocken des Fahrers so weit zusammenzuhalten, daß er mit dem Hubschrauber in die Klinik geflogen werden kann. Egal ob durch Alkohol, überhöhte Geschwindigkeit, Glatteis oder Blödelei im Straßenverkehr - alles schon als Unfallursache erlebt. Und die Resultate sind nicht immer schön.
Ich werde das Bild vermutlich nie wieder loswerden: Die Straßen sind spiegelglatt. Nach der Alarmierung steige ich auf’s Fahrrad, ab in Richtung Feuerwache. In der ersten Kurve hat’s mich erst mal umgelegt. Also langsam und vorsichtig weiter. Schwerer Verkehrsunfall auf der Autobahn. Es geht aber nur noch um’s Absperren und Aufräumen danach. Mehr können wir nicht tun. Das Bild an der Unfallstelle ist folgendes: Eine Autobahnauffahrt. Das Auto, das von dort herauf kam ist in’s Schleudern geraten. Was dann genau passiert ist weiß ich nicht. Jedenfalls lag auf der Straße dann nur noch eine Abdeckplane. Auf der einen Seite hat noch ein bisschen eine Hand rausgeschaut. Ich glaube 5 Jahre alt war das Mädchen, das darunter lag. Irgendwie ist sie aus dem Auto geflogen. Aber wir konnten nichts tun, daher brauchen wir uns keine Vorwürfe machen - es war alles entschieden, bevor die Feuerwehr alarmiert wurde.
Ich saß dann wie so häufig am Funk im Einsatzleitwagen. Das Schicksal eines Fernmelders. Nach einiger Zeit kam ein Krankenwagen vorbei. Darin die Fahrerin des verunfallten Fahrzeuges - ein knapp 20 Jahre altes Mädchen. Freundin, Schwester - ich weiß es nicht. Sie ist körperlich mit dem Schrecken davon gekommen, aber sie stand am Fenster des Krankenwagens. Ich konnte nichts hören, aber an ihren Mundbewegungen konnte ich ein geweintes “Nein, nein” ablesen, während sie auf das Häufchen auf der Straße starrte.
Solche Bilder werde ich nie wieder los werden - und ich will es auch nicht, denn sie machen mich zu dem, was ich bin. Ich erwarte nicht, als Held behandelt zu werden, denn eigentlich sollte jeder Mensch bereit sein, seinen Mitmenschen zu helfen, wo er nur kann. Ich erwarte nur, daß wir freiwilligen Feuerwehrleute - ganz normale Menschen mit ganz normalen Leben - mit etwas Respekt behandelt werden - nicht wie die nicht ganz so anonymen Alkoholiker.
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Feuerwehrimage
ich habe irgendwann aufgehört zu zählen, in wie viele brennende Häuser ich reingelaufen bin, aus denen andere schnell raus wollten. Wie viele mit Wasser vollgelaufene Keller und Wohnungen ich mit meinen Kameraden ausgepumpt habe - für Leute, die i…
Wenn jemand meint, Feuerwehrleute der Freiwilligen Wehren seien “Trunkenbolde” und würden nur den eigenen Durst löschen, dann wäre es doch mal ratsam, eine Woche bei einer der genannten Wehren in Speyer oder Frankenthal reinzuschnuppern oder selbst Feuerwehrmann/-frau zu werden.
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[...] Mein erster Verkehrstoter… Mittendrin, statt nur dabei - Einfach nur ein bisschen Respekt. [...]
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[...] Mittendrin, statt nur dabei - Einfach nur ein bisschen Respekt. Aktuelle themenrelevante Links:rettungstrupp++ von rettungstrupp [...]
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